FBI Regensburg 2: OB-Nicknames

... der wichtigste Punkt des Tages

FBI Regensburg 2: OB-Nicknames

28.01.14 Kolumne 0

Tatsächlich geht es in dieser FBI-Regensburg-Folge nicht um Wahlprogramme oder gar um realisierbare Ideen für die Verbesserung der Lebensverhältnisse in unserer Stadt in den nächsten sechs Jahren. Es geht allerhöchsten näherungsweise um Vorschläge. Konkret: um die Nicknames der OB-Kandidaten, auf Altdeutsch Spitznamen.

Der amtierende dritte Bürgermeister der Stadt Regensburg, oder auch Sozialbürgermeister, Joachim Wolbergs, wird ja einfach Wolli genannt. Und das von Freund und Feind. Je nachdem mit wohlmeinendem warmen oder mit verletzend hämischen Unterton. Dass Wolli nichts gegen seinen Nickname einzuwenden hat, sieht man daran, dass 2005 ein Wahlplakat mit „Wolli wählen“ im Umlauf war. Und auch heuer taucht der Spitzname des Gelegenheitskrawattenträgers aus dem Rathaus öffentlich auf: „Wir wollen Wolle“, heißt es da zwar beim Untestützer-Gig einiger hochkarätiger Regensburger Musiker, doch sicher ist eher „Wir wollen Wolli“ als „Wir wollen Wulle“ gemeint.

Schwieriger wird es da beim Fraktionsvorsitzenden der Regensburger CSU Christian Schlegl. Seine Aktions-Website heißt zwar „Der kanns“, aber das taugt nicht als Nickname. Ob sich irgendwelche Spitznamen aus Schlegls Jugend- oder JU-Zeit in die Gegenwart retten konnten ist mir nicht bekannt. Einfach „Der Schlegl“ zu sagen ist nicht mehr angemessen, das hätte in den alten CSU-Tagen gepasst, als das „S“ im Parteinamen noch für „Schaidinger“ stand. Aber heute? Ich persönlich glaube ja, dass Schlegl „Der Regensburger“ gut gefallen würde. Das wär’ besonders schön auf dem OB-Sessel, bei offiziellen Anlässen, wenn ihn die Leute mit „Herr Oberbürgermeister“ anreden und er dann entgegnet: „aber nennen Sie mich doch einfach „Der Regensburger“. Das Ganze ist jetzt gar nicht an den Haaren herbeigezogen, ich schließe es daraus, dass der Titel der CSU-Wahlkampfzeitung so lautet. Was mir eigentlich ganz hervorragend gefallen würde wäre „Der Wende-Hammer“.

Denn zum einen hat der junge wilde grüne Schwarze ein dermaßen hammermäßiges Wahlprogramm aufgelegt, bei dem kein Auge trocken und kein Wunschkonzert unintoniert bleibt. Er hat seiner vormals zerstritten christ-sozialen Partei einen dermaßen einigenden Einlauf verpasst, dass man fast vermuten könnte, dass nicht nur der Außenlack sondern auch die Innenraumversieglung in kräftigen Grüntönen daherkommt. Nein der Wende-Hammer-Schlegl hat mit solcher Wucht alle Themen besetzt und alle Begriffe assimiliert, die früher auf dem Index der Schaidinger-CSU standen, dass man ohne Übertreibung von einer 180-Grad-Wende oder besser gleich von einem partei-politischen U-Turn sprechen kann.

Noch schwieriger, wenn nicht gar gefährlich ist die Nickname-Frage jedoch beim amtierenden OB! Denn bekanntlich versteht Hans Schaidinger keinen Spaß wenn es um seine Autorität geht. Daher wird er auch nur hinter vorgehaltener Hand oder eben hinter seinem Rücken „König Hansi“ genannt. Oder halböffentlich im Theater, zumal im Kasperl-Theater Larifari. Alle drei genannten sitzen übrigens im Koalitionsausschuss, der strenggenommen gar keiner ist, aber auch einen Nickname hat: Das Politbüro

Und der Huber, OB-Kandidat der Grünen (der Orginal-Grünen)? Na der Huber bleibt einfach der Huber oder der Jürgen, je nachdem. Egal ob er nun ins Rathaus einzieht oder nicht. Das ist doch beruhigend, dass nach der Wahl wenigstens ein bisschen noch was so bleibt wie vorher, bei der ganzen Wenderei …

FBI R2/140128_3429

Kolumnist: Michael Kroll