FBI Regensburg 1: Weiche Themen

... der wichtigste Punkt des Tages

FBI Regensburg 1: Weiche Themen

27.01.14 Kolumne 0

Natürlich werden die „Jungen Grünen“ von der CSU mein Lieblingsthema werden. Nicht nur weil Grün meine Lieblingsfarbe ist und weil man als Selbstständiger immer Markbeobachtung betreibt und genau hinsieht, wenn ein neuer Mitbewerber ähnliche Produkte auf den Markt werfen will. Nein, ich finde die Wende-CSU auch deshalb interessant, weil nun die Straßen und Programme voll sind mit weichen Themen: „Bürger beteiligen“, „Engagement anerkennen“, „Wertschätzung“ und sogar „Wertschätzende Stadtgesellschaft“ und „Anerkennungskultur“ sind neuerdings im Politsprech vom Wende-Kandidat Schlegl zu finden. Das klingt wirklich gut! Das gefällt mir ehrlich! Kannte ich doch bislang solche Begriffe in erster Linie aus Initiativen, die sich mit alternativen Lebensformen, community organizing, mit Selbstbestimmung oder mit gewaltfreier Kommunikation beschäftigen. Zum Beispiel beim Aktionstag II „Regensburg neu gestalten“ aus dem Projekt „dunavison“, oder aus unserer Arbeit mit Wohnprojektgruppen …

Nun sind sie aber auch im Regensburg-Plan-2020 verankert, der am Samstag als Wahlprogramm 2014 mit 100-prozentiger Zustimmung verabschiedet wurde. Regensburg-Plan? Da war doch was? So ging es mir beim frühmorgendlichen Spaziergang im erstmals verschneiten Regensburg durch den Kopf. Ja, mit der Jahreszahl 2005 versehen, wurde er vom Planungs- und Baureferat als Fortschreibung des Regensburg-Plans 1997 erarbeitet und als gebundene Broschüre in der Reihe „Regensburg plant & baut“ als Sammlung von Leitzielen der Stadtentwicklung herausgegeben.

Copy & Paste, Titelklau, Themen-Grabbing? Egal, ich will nicht drauf rum reiten! Jedenfalls ist von diesem Stadtverwaltungs-Regensburg-Plan im CSU-Regensburg-Plan nicht einmal die Rede, geschweige denn von einer Fortschreibung der damals formulieren Leitziele und -projekte.

Ich habe mir also die Frage gestellt, was denken wohl all die Beteiligten, denen OB Hans Schaidinger noch im Vorwort zum Regensburg-Plan 2005 dankte? Denken sie: Vergiss es, Eh schon Wurscht, oder einfach Schwamm drüber? Die über 200 Regensburger Bürger und Bürgerinnen, die sich, wie Hans Schaidinger lobte; „jeweils vier Tage lang intensiv mit der weiteren Entwicklung ihrer Stadt auseinandergesetzt und wertvolle Anregungen beigesteuert haben“, sind vielleicht auch einfach nur stocksauer. Was aber mag wohl in der Verwaltung vor sich gehen, wenn diese, ihre Arbeit nun so „anerkannt“ und „wertgeschätzt“ wird. Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind ja auch Bürger und auch die knien sich rein.

Und was passiert mit all dem Haufen Arbeit, der vielen Zeit und auch mit dem Geld, das solche Pläne und Programme kosten? Wozu der ganze Aufriss, wenn’s nachher eh in der Schublade und in den Tiefen des WWW verschwindet? Vielleicht mach ihr mir da auch unnötig Gedanken um die Leute aus der Verwaltung und der Bürger muss das so oder so hinnehmen. Aber ich könnte ja auch einer von den rund 3000 Stadtbeschäftigten sein. Wenn ich als „junger Architekt“, wie andere Studienkollegen damals, meinen Dienst bei der Stadt angetreten hätte. Dann würde ich mich jetzt vielleicht fragen: Wozu müssen wir eigentlich alle sechs Jahre neue Programme und Entwicklungspläne ausarbeiten, wenn sich a) keiner dran hält und b) das meiste eh im Papierkorb landet? Mir würde dann eventuell noch das Fachprogramm Wohnen II einfallen, dass es anscheinend auch nicht wert war fortgeschrieben und in Wahlprogramme aufgenommen zu werden. Und ich würde vermutlich auch an meine Kollegen aus dem Kulturreferat denken, deren Arbeit zum Kulturentwicklungsplan nur lapidar mit „Kultur lässt sich nicht planen“ abgespeist und als aktuelles Projekt gar nicht erst erwähnt wird.

Ich denke, Anerkennung und Wertschätzung der Arbeit oder des Engagements von Menschen zeigt sich auch darin, wenn man ihre Arbeit ernst nimmt und weiterführt. Am Beispiel Regensburg-Plan zeigt sich meiner Ansicht nach, dass man dies bei der geleisteten (Vor)-Arbeit der am Planungsprozess Beteiligten nicht tut. Und ich frage mich, wie wohl die „Wertschätzende Stadtgesellschaft“ unter der Ägide der jungen grünen Wende-CSU aussehen würde, angesichts dieses omnipotenten Wahlprogramms, das so tut, als hätte es vor 2014 keine Kommunalpolitik gegeben.

FBI R1/140127_4234

Kolumnist: Michael Kroll